Montagsmuseum #1 (07.01.2019)

„The Demon’s Brain“ von Agnieszka Polska

 

Lieber X,

Deine Geschichte hat mich an etwas erinnert, das mir letztes Jahr passiert ist. Ich hatte einen Job angenommen, bei dem ich anfangs dachte: Klingt komisch, aber es ist ja nur ein Job. Ich muss die Miete zahlen. Der Job hat ja nichts mit mir zu tun.

Du sagst, sie haben dir ein Pferd gegeben, das unheimliche Augen hatte. Da hast du schon gespürt, dass da was nicht stimmt, richtig? Ging mir auch so. Bei mir war es das Grundkonzept des Projekts. Das fand ich schlecht.  Ich dachte: das kann nicht funktionieren. Aber sie zahlen mich ja nicht fürs denken.

Du solltest Briefe von einem Ort zum anderen bringen. Du kannst nicht lesen, aber reiten. Schwer ist es, selber den Brief zu schreiben, dachtest Du? Weil man dafür wissen müsste, worum es überhaupt geht.

Ich hab das Konzept auch nicht gelesen. Nur umgesetzt. Sie sagen, dass es ursprünglich besser war. Aber dann durften sich so viele Leute einmischen, verbessern, solange, bis es am Ende ziemlich irrsinnig war.

Bei Dir habe sich mitten auf freiem Feld das Pferd unter Dir aufgelöst, sagst Du. Ich glaube Dir. Bei mir war es ein Zahn, der mir abgebrochen ist. Er hat mein nächtliches Knirschen, meinen verspannten Kiefer, nicht mehr ausgehalten.

Du fragst Dich nun, ob Du reingelegt wurdest. Warum geben sie Dir ein Pferd, das die Strecke nicht schafft? Fragst du Dich das wirklich? Kluge Menschen wissen, wenn sie sich auf einem Himmelfahrtskommando befinden. Nun war von klug nie die Rede. Der Job hatte ja nichts mit uns zu tun. Keiner hat uns reingelegt. Doch: Einer. Eine. Na? Wer wohl. Denn natürlich hat das alles etwas mit uns zu tun.

Jetzt kommt der Dämon. Du hast zu Deinem gesagt, du wüsstest nicht, ob du ihn verstanden hast? Er kam vom Ort eines fiebrigen Traums? Nun, woran Du Dich erinnerst sind die Worte: Es ist nicht zu spät. Du bist derjenige, der die Zukunft ändern kann.

Mein Dämon wartete am Ende des Projekts mit einer Flasche Rotwein auf mich. Am Grunde des Flasche angekommen war ich der Meinung: Einen Scheiß muss ich. Er verstand nun wiederum mich falsch und fragte: Das ist Scheißmusik?

 

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