Montagsmuseum #20 (20.05.2019)

Diese Woche wird’s nicht lustig. Es geht um Philosophie. Um das „platonische Höhlengleichniss“. Und auch ein bisschen um „Matrix“.

Der griechischen Philosophen Platon (428/427–348/347 v. Chr.) lässt in einem seiner Bücher seinen Lehrer Sokrates folgende Geschichte erzählen.

In einer unterirdischen Höhle, aus der ein steiler Gang auf die Erde führt, leben Menschen, die dort ihr ganzes Leben als Gefangene verbracht haben. Sie sind angebunden, so dass sie immer nur nach vorn auf die Höhlenwand blicken können. Sie können nicht den Ausgang sehen, der sich in ihrem Rücken befindet. Das Einzige, was sie je zu Gesicht bekommen, sind die Schatten an der Wand. Die Lichtquelle ist ein Feuer, das hinter ihnen, etwas erhöht, steht. Es ist hinter einer kleinen Mauer, auf der Gegenstände entlang getragen werden.

Da sie nur diese Schatten kennen, sind diese ihre gesamte Wirklichkeit. Sie sind für sie Lebewesen, ihre Handlungen sind für sie selbstbestimmt. Diese Schatten sind für sie die Wahrheit. Sie erkennen Gesetzmäßigkeiten ihren Handlungen. Entwickeln von ihnen eine Wissenschaft.

(Anmerkung: Dieses Bild habe ich im Wallraf-Richartz-Museum in Köln gesehen im Rahmen der Sonderausstellung „Schatten im Blick“ Graphik-Ausstellung 28.09. – 13.01.2019)

Nun bittet Sokrates sich vorzustellen, was wäre, wenn einer von ihnen losgebunden würde. Er könnte aufstehen und den Ausgang entdecken. Diese Person wäre schmerzhaft vom Licht geblendet und verwirrt. Die nun in ihr Blickfeld kommenden „realen“ Dinge wären für sie weniger real als die ihr vertrauten Schatten. Würde sie am liebsten wieder ihre gewohnte Position einnehmen oder tatsächlich weitergehen und den Aufstieg durch den engen, steilen Gang wagen?

Bildergebnis für höhle gang steil

Sie muss einen unwegsamen und steilen Weg hinauf, wird vom Licht geblendet, kann erstmal nichts sehen. Langsam müsste sie sich an den Anblick des Neuen gewöhnen. Erst entdeckt sie die Schatten, dann die Spiegelbilder im Wasser und schließlich die Menschen und Dinge selbst. Den Nachthimmel, später das Tageslicht, und zuletzt würde sie es wagen, die Sonne unmittelbar anzusehen. Dann könnte sie begreifen, dass es die Sonne ist, deren Licht Schatten erzeugt. Nach diesen Erlebnissen und Einsichten hätte die Person keinerlei Bedürfnis mehr, in die Höhle zurückzukehren.

Doch was, wenn sie in die Höhle zurück kehrt, um ihren alten Freunden zu erzählen, dass es noch etwas anderes gibt als Schatten. Sie müsste sich erst wieder langsam an die Finsternis der Höhle gewöhnen. Sie könnte die Schatten nicht mehr so gut deuten wie früher. Die Höhlenbewohner würden folgern, sie habe sich oben die Augen verdorben. Sie würden die Person auslachen und meinen, es könne sich offenbar nicht lohnen, die Höhle auch nur versuchsweise zu verlassen. Wenn jemand versuchte, sie mit Gewalt zu befreien und nach oben zu führen, würden sie ihn umbringen.

Bildergebnis für Matrix Höhlengleichnis

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