Montagsmuseum #34 (26.08.2019)

Letzte Woche sah ich eine Mondsichelmadonna. Ich liebe dieses Wort. Viel schöner als „Madonna im Strahlenkranz“ oder die „apokalyptische Madonna“. Auch wenn alles drei das gleiche meint. Hier der Bildung wegen die Bibelstelle aus der Offenbarung des Johannes.

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. (Offb, 12,1–5 EU)“

Da, wie ja bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt, ein Albrecht Dürer immer geht, hab ich hier eine seiner Mondsichelmadonnen als Beispiel herausgesucht. So sah das im Mittelalter aus.

Bildergebnis für MAria Mondsichel Albrecht Dürer

Die Mondsichelmadonna, der ich im „Museum Europäischer Kulturen“ in Berlin, Steglitz begegnete, sah so aus.

Diese Skultur aus Zirbelkiefer von 2014 des Künstlers Gerhard Goder heißt: „Conchita Wurst auf der Monsichel“.

Dieser letzte Satz muss da stehen, dachte ich, damit diese Skulptur, die einfach nur witzig ist, in einem Museum für europäische Kultur Sinn macht. Wobei ich dann wiederum dachte, dass sie ja trotzdem witzig sein kann, auch wenn sie die „plurale Gesellschaft“ reflektiert.

Denn eigentlich ging es um Europa.

Zwölf Sterne. „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ Steht schon in der Bibel. Ist alles kein Zufall.

Apropos Zufall. In diesem kleinen, ziemlich verschlafenem Museum, dass neben der Freien Universität, Abteilung Iranistik liegt und so tolle Veranstalltungen anbietet wie „Gebratener Specht (sic) im Erdloch (mit Champagnerbrand und Kreuzotterschaum abgeschmeckt). Vom Essen und Trinken allein und in Geselligkeit.“, hab ich plötzlich den Hut meines Vater wiedergesehen.

Meine Familiengeschichte ist eine andere, doch der Hut ist mir vertraut. Ich weiß auch, wie er riecht. Ich bin in Europa aufgewachsen, vieles ist mir vertraut, was ich sehe.

Ich höre mir die polnischen Volksgesänge an und denke an Klassenfahrten. Ich sehe eine venezianische Gondel und denke daran, dass ich die Venus von Michelangelo in der gleichen Woche gesehen habe, wie Julia Roberts bei den Dreharbeiten zu dem Woodie Allen Film „Alle sagen: I love you“. Eigentlich kann ich zu allem, was ich sehe, eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel hierzu:

Das sind Fantasietrachten des Modedesigners Stephan Hann. Das Dekolette ist aus Tetra Pak, die Ärmel eine Landkarte. Stephan Hann habe ich mal kennen gelernt. Während einer Sylvesterfeier war er derjenige, der zu später oder früher Stunde, wie man es nimmt, auf den Tisch stieg und tanzte. Danach wurde er von seinen Freunde bald nach Hause begleitet. Ist das nun eine europäische Geschichte? Es könnte auch eine Berliner Geschichte sein.

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